“Es interessiert mich nicht mit wem du schläfst, ABER…” ??? 21 Punkte über Biphobie über die du nachdenken könntest.

Dieser Text ist eine Antwort auf „Es interessiert mich nicht mit wem du schläfst…20 Punkte die Du über Biphobie wissen solltest“, den Artikel findest du hier. Achtung: der Artikel reproduziert ganz schön viel Bifeindlichkeit und war zumindest für mich sehr verletzend. Meine Antwort ist in etwa einer Stunde entstanden und erhebt keinen Anspruch auf Richtigkeit. Also: wenn ihr etwas problematisches bemerkt, bitte lasst es mich in einem Kommentar wissen!

Da es in der Welt offensichtlich keine ernsthaften Probleme mehr gibt, ist es an der Zeit wieder mal eine Form der Diskriminierung zu leugnen. Heute an der Reihe: Biphobie.

1.) Es gibt Biphobie. Auch bezeichnet als Bifeindlichkeit oder Monosexismus. Wird mensch auf heterosexuelle Privilegien hingewiesen ist das keine Biphobie. Wird mensch diskriminiert, weil mensch homosexuell ist/in einer homo-Beziehung ist, ist das Homophobie. Wird mensch diskriminiert, weil mensch bisexuell ist/lebt, ist das Biphobie. Interdependenzen gibt’s auch einige. Bisexuelle erleben zum Beispiel häufig auch Homophobie.

2.) Zu behaupten, es gebe keine Biphobie macht Lebensrealitäten unsichtbar. Bisexuelle Menschen und ihre Sexualität werden (leider) sowohl im Hetero-Mainstream als auch in manchen Queeren Kontexten unsichtbar gemacht.

3.) Die Entscheidung gerade eine/mehrere hetero-Beziehungen zu führen ist eine, die in einer hetero-sexistischen Realität stattfindet. Das kann und muss reflektiert werden. Trotzdem: eine hetero-Beziehung zu führen bedeutet nicht heterosexuell zu sein. Es bedeutet manche heterosexuelle Privilegien für eine bestimmte Zeit/in bestimmten Situationen zu haben.

4.) Offensichtlich interessiert dich sehr mit wem ich schlafe.

5.) Bi ist ein politischer Begriff. Er hat eine Geschichte und ist auf keinen Fall ein Label des Labels wegen. Es gibt Gründe warum heute inzwischen häufig LGBT*IQ verwendet wird statt lesbisch und schwul. Einer davon ist, dass der Begriff Lesbe meist von cis*Positionen ausgeht und viele fluidere Identitäten und Lebensrealitäten unsichtbar macht.
Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Identität, Privilegien und Politik. Ich kann als bisexuelle Frau* bisexuell als Identität haben, manche heterosexuelle Privilegien zu manchen Zeiten haben, und eine lesbische Politik betreiben/mich mit lesbischem Widerstand identifizieren und ihn mitragen.

6.) Es scheint dich wirklich sehr zu interessieren, mit wem ich schlafe.

7.) Hetersoexuelle Privilegien nicht zu benennen ist doof. Homophobe Diskriminierung nicht zu benennen ist doof. Biphobe Diskriminierung nicht zu benennen ist doof. Erlebte Diskriminierung als „Geschwurbel“ bezeichnen und lächerlich zu machen ist doofer.

8.) Nicht erkannt zu werden nervt. Aus dem Umstand beschimpft, geschlagen und angespuckt zu werden keine Diskriminierung zu machen ist haarsträubend.

9.) Ich hab noch nie jemanden Bisexuellen getroffenn, die*der sich beschwert hat, als nicht hetero genug nicht angegraben zu werden. Allerdings wurde auch schon viel geschrieben über Feminitätsfeindlichkeit/als zu feminin und nicht queer genug zu gelten. Das Feminitätsfeindlichkeit ist ein Problem.

10.) Interssiert dich wiklich nicht mit wem ich schlafe? Diese Aussage erinnert mich schmerzhaft an die „es interessiert mich nicht mit wem du schläft, solange a) es niemand deines* Geschlechts* ist b) ich nichts davon mitbekommen c) du die Person wenigstens nicht heiraten und keine Kinder bekommen darfst und d) es bitte niemand deines* Geschlechts* ist“.
Merkste was?

11.) Ist eine schwule Person nicht schwul wenn er noch nie mit einem Mann*/Jungen* geschlafen hat? Ääääh… so einfach ist das nicht. Kann ich selber entscheiden was für eine Sexualität ich habe wie ich meine Sexualität definiere und bezeichne? Ja, aber hallo!

12.) Ich kann entscheiden, wie mit wem und mit wie vielen Menschen ich eine Beziehung habe. Beziehungen mit Menschen unterschiedlichen gendern zu haben ist nicht zwangsläufig heteronormativ.

13.) Darauf hinzuweisen erinnert mich an seltsame Argument in Zusammenhang mit slut*shaming und Biphobie. Unangenehm.

14.) Die Leugnung von Biphobie entnennt tatsächlich existierende Diskriminierung wie Biphobie und Cis*Sexismus.

15.) Sag mal, interessiert es dich wirklich soooo sehr mit wem ich schlafe?

16.) Das Konzept von Homophobie ist kann cis*sexistisch sein, weil es teilweise an der Geschlechterbinarität festhält, genauso das Konzept oder zumindest die Bezeichnung Biphobie. Es ist an der Zeit statt Homo, Hetero und Bi neue Worte zu finden. Das Konzept der Bisexualität stellt Cis*Normativität in Frage. Wenn ich mit einer nicht-binären trans*Person schlafe, bin ich dann homo oder hetero? Ich bin weder noch und irgendwas dazwischen und sowieso was ganz anderes. Ich kann mich dann als Bi* oder Pan* , Queer*, lesbisch oder schwul bezeichnen. Fakt ist: wir brauchen Worte für nicht hetero*normatives, cis*normatives Begehren. Lass uns also ein neues finden. Bis dahin macht es Sinn aus meiner Perspektive, bi weiter zu verwenden.

17.) Als zu feminin zu gelten hat nichts mit Biphobie zu tun.

18.) Wenn ich mich als bi labele, dann weder um nicht zu hetero noch um nicht zu homo zu sein. Dann mach ich das, weil ich bisexuell bin, oder weil ich queer bin aber keine Lesbe. Dann mach ich das um meine Sexualität zu beschreiben. Ich mache es um zu beschreiben, dass ich sowohl manchmal heterosexuelle Privilegien genieße als auch homophobe und biphobe Diskriminierung erfahre.

19.) Dein Artikel verneint Diskriminierung und reproduziert Monosexismus. (Deal with it)

20.) Und am wichtigsten für die Diskussion, die es wohl oder übel geben wird: es interessiert dich wohl mit wem ich schlafe. Und das mit einem gewissen Recht. Mit wem ich schlafe verschafft mit Privilegien oder Diskriminierungserfahrungen. Darüber zu reden ist wichtig.

21.) Als Bisexuelle Person diskriminiert zu werden, ist eine andere Lebensrealität als als homosexuelle Person diskriminiert zu werden. Das zu ent_nennen, wie du es vorschlägst, halte ich für wenig sinnvoll. Ich kann gerne ein Beispiel für Biphobie nennen: als Bisexuelle Person wird einem häufig die Identität abgesprochen. Es wird vorgeworfen, mensch könne sich einfach nicht entscheiden. Alternativ ist es eine Phase, die vorbeigeht, nach der mensch wieder hetero wird; oder die Feigheit, nicht zu seiner Homosexualität zu stehen. Beides ist falsch und diskriminierend. Als bisexuelle Frau*/als Frau* gelesene Person ist mensch zudem „promiskuitiv“, leicht zu haben, etc. Biphobie macht sich also scheinbar gut in Verbindung mit Sexismus und slut*shaming.
Zu sagen, es gibt keine spezifische biphobe Diskriminierung macht übrigens auch Privilegien unsichtbar. Think about it!

Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Zum Weiterlesen schaut mal in diese Ausgabe der Queerulant_in und lest diesen ganz fabelhaften Text von Schwarzrund.

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7 Gedanken zu ““Es interessiert mich nicht mit wem du schläfst, ABER…” ??? 21 Punkte über Biphobie über die du nachdenken könntest.

  1. Annalina

    Hey,

    ich hatte auch eine Antwort hinterlassen, weil ich keinen Bock hatte das unkommentiert stehen zu lassen. Unter anderem auch weil der Artikel im Ton und auch mit wörtlichem Zitat am Ende klargemacht hat, dass eine Diskussion unerwünscht ist. Allerdings wird er nicht freigeschaltet. Deswegen lass ich es hier nochmal zurück.

    1. Mit den zweiten beiden Sätzen hast du Recht. Allerdings gibt es Diskriminierung gegenüber Bis nicht nur “weil das Leben nicht hetero genug geführt wird”, sondern beispielsweise auch weil die Sexualität aus einer bürgerlichen Perspektive nicht eindeutig genug ist. Ich sehe für den ersten Satz keine Grundlage in den darauffolgenden. Wie gesagt. Aufzuzählen, was nicht biphob ist, ist kein Beweis dafür, dass es keine Biphobie gibt.

    2. Ja, teilweise gibt es das, dass Leute diesen Vorwurf gegen Queers richten. Aber darauf einen verallgemeindern Schluss in Richtung Bis zu schleudern, finde ich nicht wirklich sinnvoll.

    3. Das stimmt. Das wird von Leuten auch so gesagt. Aber das bedeutet nicht, dass Bis grundsätzlich nicht in der Lage sind zu verstehen, dass das kein Zufall ist.*

    4. Ganz ehrlich, ich hab mir wirklich Gedanken gemacht. Verstehe aber immer noch nicht, warum du das immer wieder sagst. Wäre jetzt auch nicht vom Gegenteil ausgegangen. 😀

    5. Bi geht nicht in jedem Kontext automatisch von Cispositionen aus und ist auch nicht ein Label des Labels wegen sondern ein Begriff, der von Leuten verwendet wird, die sonst keinen anderen Begriff dafür haben. Das ist schlicht und einfach eine böswillige Unterstellung. Und auch die Behauptung, Bi würde “die durch die Historie gewachsene Bedeutung anderer Selbstbezeichnungen” klingt für mich – sorry – etwas ignorant. Wie sollen sich denn Menschen, die sich als bi bezeichnen, in einer alles zwangskategorisierenden Welt denn bitte sonst nennen? Wenn sie weder Heten noch Homos sind…

    6. Jo, zur Kenntnis genommen.

    7. Gehts noch allgemeiner? Was soll dieses Bi-Geschwurbel sein? Mensch kann auch durchaus als Bi in einer Position sein, Hetenprivilegien zu benennen. Betroffenheitskonstruktion vorzuwerfen… Mit sowas würde ich auch echt vorsichtig sein. Sowas würde ich jetzt eher beispielsweise an Macker richten, die sich davon diskriminiert fühlen, dass sie nicht genügend Raum bekommen. Und nicht mit Leuten, von denen ich selbst behaupte, dass sie unter denselben Diskriminierungsmechanismen leiden wie mensch selbst – wenn auch in anderem Maß.

    8. Verstehe ich nicht ganz. Es gibt auch noch andere Formen von gesellschaftlichem Ausschluss und Diskriminierung als die von dir genannten. Und viele davon sind wesentlich schwieriger zu benennen. Zum Beispiel verstehen die meisten Cisleute nichtmal wie es sich anfühlt mit

    9. Komische Argumentationsweise. Ich verhalte mich auch nicht generell gegenüber Cisleuten von vornherein scheiße, bloß weil mich irgendwelche anderen Cisleute fertig machen.

    10. Jup, danke.

    11. Das ändert keine Position. Jedoch solltest du dir vielleicht auch vor Augen führen, dass Leute eventuell unter den Gründen leiden, die dazu geführt haben, dass sie keine sexuellen Erfahrungen hier und dort gemacht haben. Ich glaube nicht, dass heterosexuelle Zwangssozialistion irgendwie eine positive Erfahrung ist, obwohl mensch später Privilegien daraus zieht. Trotzdem ist und bleibt sie eine Zurichtung.

    12. Das stimmt. Aber wieder frage ich mich, auf wen du dich hier eigentlich beziehst.

    14. Das ist wieder nur eine echt merkwürdige Unterstellung. Und wieder frage ich mich, wie du darauf kommst.

    15. Ist angekommen.

    16. Wieder und wieder. Keine Ahnung, woher du deine Erfahrungen nimmst. Ich habe bi nie als “Accessoire” nie kennengelernt, eher als eine Lebens- und Empfindensweise, bei der Leute von Heterosexismus UND dem Leiden darunter, dass sie selbst sozusagen keine sexuelle Identität haben, kaputt gehen.

    17. Ach…

    18. Nochmal: Wie sollen sie sich bitte sonst nennen? Gar nicht? Das ist in dieser Welt auch nicht so einfach.

    19. Leuten Motive zu unterstellen kann sinnvoll sein. Trotzdem wundert es mich, in was für einer Dahinklatschmanier du hier einfach mit Unterstellungen um dich wirfst und vor allem gegen wen?

    20. Vielleicht kannst du wirklich mal erklären, warum du das mit einer derartigen Besessenheit wiederholst…

    *Übrigens müssen die unzufälligen Zustände, die dazu geführt haben, für die Betroffenen auch nicht unbedingt so spaßig gewesen sein, wie du vielleicht denkst. Beispielsweise kann jemensch in einem derart homofeindlichen Umfeld aufgewachsen sein, dass er*sie seine*ihre nicht-hetero-Begehrensformen nicht ausleben konnte somit zwangsheterosexualisiert wurde.

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  2. Hallo,
    Wie du siehst, hab ich eine Anmerkung nämlich zu Punkt 9, 11 und 16.
    „9.) Ich hab noch nie jemanden Bisexuellen getroffenn, die*der sich beschwert hat, als nicht hetero genug nicht angegraben zu werden. Allerdings wurde auch schon viel geschrieben über Feminitätsfeindlichkeit/als zu feminin und nicht queer genug zu gelten. Das ist ein Problem.“
    Der letzte Satz liest sich, als wäre es ein Problem, dass über Femininitätsfeindlichkeit geschrieben wird.

    „Kann ich selber entscheiden was für eine Sexualität ich habe? Ja, aber hallo!“
    Moment. Du entscheidest, was du für eine Sexualität du hast? Ist das so? Bei mir nicht, ich habe nur festgestellt welche sexuelle Orientierung ich habe. Unterschied – und wichtig. Denn es ist sehr nah an der homophoben Argumentation irgendwer würde sich fürs homo-sein entscheiden. Und könnte sich umentscheiden. Deswegen hakt die Formulierung.

    „16.) Das Konzept von Homophobie ist cis*sexistisch, weil es an der Geschlechterbinarität festhält, genauso das Konzept von Biphobie.“
    Nein, ist es nicht. Es gibt non-binary Lesben, es gibt CisLesben, es gibt lesbische Transfrauen. Sowohl im Begehren als auch bei Diskriminierungserfahrung gibt es Überschneidungen. Das trifft sicher auch auf anderes Begehren bzw. Menschen die es haben zu. Schwules und bisexuelles.
    Daher _können_ die Konzepte Homo- und Biphobie gar nicht cis sexistisch sein.

    Mir freundlichen Grüßen,
    Mr_lUrban

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    1. Quaack

      Hey,
      vielen Dank für deine Anregungen. Du hast Recht, einige Sachen muss ich präziser formulieren.
      Ich werds im Text anmerken, sobald ich es schaffe. Vorweg: 9.) Gemeint ist natürlich, dass Feminitätsfeindlichkeit ein Problem ist. Zur Entscheidungsfreiheit: gemeint war hauptsächlich „Kann ich selber entscheiden, wie ich meine Sexualität bezeichnen möchte“. Und mit entscheiden welche Sexualität ich habe bezogen auf das Absprechen meiner Sexualität. Also dass ich entscheiden kann dass ich bi bin obwohl es viele Menschen gibt, die behaupten bi gibts nicht. War zum Teil ungünstg formuliert. Zum anderen: natürlich entscheide ich mit wem ich (z.B.) eine sexuelle Beziehung eingehe, Ich halte nichts vom Argument „ich wurde so geboren, kann man halt nix gegen machen“ und „Toleranz bla die können ja nichts dafür bla“. Ich denke es gibt viel was ich bewusst entscheide. Zum Beispiel meinen Lebensstil, meine Beziehungen…. wenn auch nicht alle Aspekte, zum Beispiel nicht immer wen ich begehre. zu 16.) Es müsste heißen: das Konzept von Homohopie reproduziert teilweise cis*sexismus, kann also Cis*Sexistisch sein. Muss es nicht, ist es nicht immer und für alle; aber historisch und praktisch ist es das leider (!) doch.

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  3. Lihannon

    Habe den im Ton und Inhalt sehr verletzenden Ursprungstext in der Linksammlung der Mädchenmannschaft gelesen und war danach sehr niedergeschlagen. In Worte zu fassen weshalb, fand ich schwer. Deshalb danke für diesen Text und danke für deine intelligente Antwort!

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